Eros


Eros
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Gott der Liebe, bei den Römern Amor, nach Hesiod zugleich mit Erde und Tartaros* aus dem Chaos* hervorgegangen, eine schöne und gewaltige Gottheit, die Götter und Menschen bezwingt und ihnen den Verstand raubt (Theogonie 120–122). Für die frühen griechischen Denker und Mystiker war Eros eine kosmische Potenz, spätere Dichtung machte ihn zum ungebärdigen und unbändigen Sohn der Aphrodite* und des Ares*, zum geflügelten Lausbuben, der sich schließlich in den pausbäckigen kleinen Liebesgöttern vervielfältigte, die als Vorläufer der barocken Putten zum Beispiel auf griechischen Vasen, pompejanischen Wandbildern (unter anderem im Haus der Vettier) oder den Mosaikfußböden der Villa Romana del Casale (bei Piazza Armerina auf Sizilien, 4. Jahrhundert n. Chr.) ihr Wesen treiben.
In der Komödie ›Die Vögel‹ (414 v. Chr.) parodiert Aristophanes eine Weltentstehungslehre: Die Nacht legt ein Ur-Ei, aus dem der geflügelte Gott Eros schlüpft; so können ihn die Vögel als ihren Ahnherrn beanspruchen (Die Vögel, 626–800). Ein junger Mann, der seinen eigenen Kopf hat und ihn gegen seine zänkische und mißgünstige Mutter VenusAphrodite durchsetzt, ist Amor in dem berühmten Kunstmärchen ›Amor und Psyche‹, das Apuleius im
2. Jahrhundert n. Chr. in seinen Eselsroman (Metamorphosen IV 28 – VI 24) einfügte: Im Schutz der Dunkelheit kommt der junge Gott zu der in ein Zauberschloß entführten, von Geisterhänden bedienten Königstochter Psyche*; sie darf ihn umarmen, aber nicht sehen. Als sie in ihrer Neugier Licht macht, entflieht der Geliebte, und erst nach einer langen Irrfahrt, auf der sie sogar in die Unterwelt gelangt, bekommt sie ihn für immer.
Mit Schmetterlingsflügeln und einer Ziege sieht man Eros auf einer Lekythos des Pan-Malers (um 470 v. Chr., Boston, Museum of Fine Arts); bogenspannend stellte ihn Lysippos dar (4. Jahrhundert v. Chr.; Marmorkopie in Rom, Musei Capitolini); ein nacktes Baby neben seiner gertenschlanken Mutter ist er auf Lucas Cranachs d. J. Bild ›Venus und Cupido‹ (um 1540, München, Alte Pinakothek); einen geflügelten, frech grinsenden Tunichtgut malte Caravaggio (Amor als Sieger, um 1598, Berlin-Tiergarten, Gemäldegalerie), während sich François Gérard bei ›Amor und Psyche‹ (1798, Paris, Louvre) von Apuleius inspiriert glaubte. Doch über den langbeinigen Burschen, der da einer eher verdutzt dreinschauenden Psyche einen kühlen Kuß auf die Stirn haucht, lästerten Gérards Kritiker derart, daß er die Mythenmalerei aufgab. 1793 schlug Antonio Canova bei demselben Thema (Psyche wird durch den Kuß Amors wiederbelebt,
Paris, Louvre) eine der erotischen Seiten des Märchens auf, das auch den Stoff für mehrere heute vergessene Opern lieferte und in der gefühlvollen Arie ›Psyche wandelt durch Säulenhallen‹ aus Eugen d'Alberts ›Die toten Augen‹ (1916) nachklingt sowie – als literarische Reminiszenz – in Theodor Storms Novelle ›Psyche‹ (1875).

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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